Wintersemester 2016/2017

NS-verfemte Musik aus feministischer Perspektive FWF (PS)

Dr.in Irene Suchy

Die Vorlesung beschäftigt sich in exemplarischer Weise mit Frauen- und Geschlechtergeschichte, und zwar aus der Sicht des NS-Musiklebens.
In den letzten 30 Jahren ist die Forschung an den Auswirkungen der NS-Politik auf Musikschaffende und Musikleben sowohl tiefgreifend wie differenziert betrieben worden. In Bezug auf den Blickwinkel der weiblichen Musikschaffenden sind einzelne Biografien entstanden, in der Folge wurde eine strukturelle Betrachtung des NS-Musiklebens und seiner gender-gesellschaftlichen Prägungen zum Gegenstand der Wissenschaft möglich gemacht haben. Der wissenschaftliche Blickwinkel ist methodisch von der aktuellen Frauen- und Geschlechterforschung geprägt: von legalen und sozialen Praktiken der Geschlechtsunterscheidung, vom Öffentlichkeiten-Diskurs, von Geschlechterstereotypen und ihrer Verankerung in Verwaltung und Gesetz. 
Das Musikleben im Nationalsozialismus prägt die Rolle von Frau und Mann in einschneidender Weise, was Zuordnungen in den Hierarchien der kulturpolitischen Systeme, in den Genres, im Aktionsradius, im Grad der Verfemung, im Eingriff in das Privatleben betrifft. Insofern ist diese Epoche hinsichtlich der Musikgeschichte wie der Frauen- und Geschlechterforschung von besonderer Aussagekraft: Zuordnungen von Gender wurden legal verankert und wirken bis heute nach.
Die Vorlesung beschäftigt sich mit NS-Verfemung und dem weiblichen Musikleben in vielfacher Sichtweise. Sie referiert die politischen Bedingungen der NS Zeit, die Limitierung von Frauen auf niedrig verwerteten Musikgenres bzw. den Frauenausschluss aus den höher verwerteten, den Status der Frauen in der kulturpolitischen Verwaltung der Reichsmusikkammer, die Karriere-Möglichkeiten von Komponistinnen und Interpretinnen im NS-Regime wie Grete von Zieritz, Felicitas Kuckuck oder Elly Ney einschließlich der grotesken Musikausübung in den Frauenorchestern der KZs.
Auf der Seite der aus dem NS-System Ausgeschlossenen sind die Exilantinnen und ihrer Verdienste wie Vally Weigl und Ruth Schonthal, exemplarische Biographien von NS-verfemten Interpretinnen wie Mäzeninnen und die schwierige Erfassung ihrer Leistungen wie Lotte Lenya, Edith Gal oder die Interpretinnen des Dada, die Leistungen NS-verfemter Musikwissenschafterinnen und –journalistinnen wie Anneliese Landau und Eta Harich-Schneider u.a.

 

Do., 06.10.2016 17:00 20:00 BRANDHOFGASSE 18, EG, ZI. 2 (BG18EG2)

Fr., 18.11.2016 14:00 17:00 BRANDHOFGASSE 18, EG, ZI. 2 (BG18EG2)

Do., 15.12.2016 17:00 20:00 Raum ist noch fraglich! 

 

Die „neue Frau“, der „neue Mann“: Transformierte Gender-Performanzen im Musiktheater nach dem Ersten Weltkrieg (VU)

Dr. Eckhard Weber

Der Erste Weltkrieg mit seinen vielfältigen geo- und machtpolitischen Verschiebungen und Umbrüchen hatte im Bereich des Sozialen auch Veränderungen im Verhältnis von Frau und Mann zur Folge. Ob der epochale Einschnitt des Krieges dies direkt generierte oder vielmehr als Katalysator vorher sich bereits andeutender Tendenzen fungierte, darüber streiten bis heute die HistorikerInnen. Fest steht, dass die aus dem 19. Jahrhundert stammenden Frauenbilder und Imaginationen von Weiblichkeit (z.B. Femme fatale/Femme fragile) nach 1918 ausgedient hatten. Damit ging gleichzeitig eine Veränderung des traditionellen Männerbildes einher. Die Transformationen sind schon alleine im äußerlichen Erscheinungsbild ersichtlich: In den Roaring Twenties wurden bei den modernen Frauen (als Flappers im angelsächsischen Sprachraum bezeichnet) die Haare und Röcke kürzer, die opulenten Kopfbedeckungen des Fin de siècle wurden entsorgt, und die französische Modeschöpferin Gabrielle »Coco« Chanel kreierte das »kleine Schwarze«. Bei den Männern fielen Bärte und gezwirbelte Oberlippenbärte der Schere zum Opfer, Zylinder und Gehrock kamen aus der Mode, stattdessen sah man Männer mit deutlich sportlicherer Kleidung wie etwa Schildmütze, Pullover und Knickerbocker-Hosen. Dies waren aber lediglich äußerliche Merkmale für eine tiefgreifende Veränderung der Beziehungen zwischen den Geschlechtern. Die Frauen gingen wortwörtlich aus dem engen Korsett traditioneller Rollenvorstellungen heraus, wurden aktiv und offensiv, promisk und sportlich, mutig und experimentierfreudig, probierten also Eigenschaften aus, die vorher nur Männern zugestanden wurden. Und die Männer reagierten auf die neuen Verhältnisse. Das europäische Musiktheater unmittelbar vor, während und nach dem Ersten Weltkrieg nahm solche gesellschaftlichen Entwicklungen in Sujets, Bühnenausstattung und auch in der Musik auf. Dies soll in der Lehrveranstaltung untersucht werden.

 

Fr., 14.10.2016 13:00-18:00 Uhr LEONHARDSTRAßE 15, EG, ZI. 24 (LS15EG24)

Fr., 21.10.2016 13:00-18:00 Uhr LEONHARDSTRAßE 15, EG, ZI. 24 (LS15EG24)

Fr., 09.12.2016 13:00-18:00 Uhr LEONHARDSTRAßE 15, EG, ZI. 24 (LS15EG24)

Fr., 16.12.2016 13:00-18:00 Uhr LEONHARDSTRAßE 15, EG, ZI. 24 (LS15EG24)

Fr., 13.01.2017 13:00-18:00 Uhr LEONHARDSTRAßE 15, EG, ZI. 24 (LS15EG24)

Fr., 20.01.2017 13:00-18:00 Uhr LEONHARDSTRAßE 15, EG, ZI. 24 (LS15EG24)

 

 

Subjekt und Stimme. Zur Konstruktion von Weiblichkeit in der Experimentellen Musik nach 1960 (VU)

Dr.in Charlotte Seither

Im Mittelpunkt des Seminars stehen ausgewählte Vokalwerke für Stimme solo von John Cage, Luciano Berio, Luigi Nono u.a., in denen neue vokale Verhaltensformen präsentiert werden. Wie gestaltet sich hier das Verständnis von InterpretIn und Rolle, wie treffen Stimme und Subjekt aufeinander? Inwieweit verändert die Neue Musik mit ihren expansiven Ausdruckstechniken das Rollenbild, das wir von Frauen bzw. Männern auf der Bühne haben? Das Seminar hinterfragt die Beziehung von Identifikation und Rolle, von Ich und Ich-Bild, insbesondere aber von traditionellen und experimentell verschobenen Geschlechterrollen, wie sie den vorliegenden Werken entnommen werden können. Es lädt dazu ein, sich kritisch mit den Parametern "Identifikation" und "De-Identifikation", aber auch mit den Begriffen "Rolle" und "Rollenerwartung" auseinander zu setzen.

 

Fr., 28.10.2016 13:00 17:00       Palais Meran, EG, Zi. 24           (LS15EG24)

Sa., 29.10.2016 10:00 16:00 BRANDHOFGASSE 18, EG, ZI. 2 (BG18EG2)

Fr., 11.11.2016        13:00 17:00 BRANDHOFGASSE 18, EG, ZI. 2 (BG18EG2)

Sa., 12.11.2016 10:00 16:00 BRANDHOFGASSE 18, EG, ZI. 2 (BG18EG2)

Fr., 13.01.2017 13:00 17:00 BRANDHOFGASSE 18, EG, ZI. 2 (BG18EG2)

Sa., 14.01.2017 10:00 16:00 BRANDHOFGASSE 18, EG, ZI. 2 (BG18EG2)

 

 

The role of intuition in forming creative flow (PS)

Dr.in Tamara Friebel

 

 

Do., 13.10.2016 15:30 17:00 Hörsaal (PT116EG002)

Do., 27.10.2016 15:30 17:00 Hörsaal (PT116EG002)

Do., 10.11.2016 15:30 17:00 Hörsaal (PT116EG002)

Do., 24.11.2016 15:30 17:00 Hörsaal (PT116EG002)

Do., 15.12.2016 15:30 17:00 Hörsaal (PT116EG002)

Do., 12.01.2017 15:30 17:00 Hörsaal (PT116EG002)

Do., 26.01.2017 15:30 17:00 Hörsaal (PT116EG002)

 

Sie können sich jederzeit unter genderforschung(at)kug.ac.at zu dem Lehrveranstaltungen anmelden!