November 2014 - Adriana Hölszky

 

Adriana Hölszky, geboren am 30. Juni 1953 in Bukarest, Komponistin

Adriana Hölszky, aufgewachsen in Bukarest, erhielt von 1959 bis 1969 Klavierunterricht am dortigen Musiklyceum. Mit acht Jahren begann sie mit dem Komponieren. Als ihr Talent mit 12 Jahren erkannt wurde, erhielt sie Unterricht in Kontrapunkt und Harmonielehre. In den Jahren 1972 bis 1975 studierte Hölszky Klavier und Komposition an der Bukarester Musikhochschule. Später übersiedelte sie nach Deutschland und studierte Komposition bei Milko Kelemen und Kammermusik bei Günter Louegk (1977-1980) in Stuttgart. Weder in Bukarest noch in Stuttgart war sie Benachteiligungen aufgrund ihres Geschlechts ausgesetzt. Zu bemerken ist jedoch, dass sie trotz zahlreicher Preise, großer internationaler Anerkennung, Erfahrung im Unterrichten durch Lehraufträge und Mitwirkung an vielen Seminaren und Workshops sowie ständiger Präsenz in der Szene der Neuen Musik erst spät eine Professur erhielt - 1997 an der Musikhochschule Rostock und 2000 am Salzburger Mozarteum.

Den Mittelpunkt im Schaffen Hölszkys bildet das Musiktheater. Dies hat sie in einer differenzierten Weise reflektiert wie keine andere zeitgenössische Komponistin. Bereits in Bremer Freiheit war Hölszky weniger die Genderproblematik, sondern vor allem die kompositorische Idee wichtig, für die der Text nur Anregung sein sollte. Sie experimentiert, in Fortführung der avantgardistischen Tendenzen zu Beginn des 20. Jahrhunderts, radikal mit den Mitteln des Musiktheaters - Musik, Handlung, Szenenbild, Licht: InstrumentalistInnen dienen als Bühnenelemente, Requisiten bekommen klangliche Funktion, eine Lichtregie ist vorgeschrieben.

Adriana Hölszkys Musiktheater Der gute Gott von Manhatten (Libretto: Yona Kim), basiert auf dem gleichnamigen Hörspiel von Ingeborg Bachmann. Der Konflikt zwischen den Geschlechtern und die kulturell bestimmten überkommenen Rollen von Mann und Frau sind das große Thema Ingeborg Bachmanns, und durchziehen auch das Werk Hölszkys.

In Der unsichtbare Raum/Tragödia (1997) wird die Gesangsoper entthront. Kein Sänger tritt auf und das Bühnenbild lebt nur durch die wechselnde Ausleuchtung verschiedener Requisiten.

Adriana Hölszkys Gesamtwerk zeichnet sie als eine der bedeutendsten Komponistinnen der Gegenwart aus.

 

Am Montag den 10. November 2014 findet im Rahmen der Vortragsreihe "Komponistinnen" ein Vortrag über Adriana Hölszky statt. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Homepage unter: Veranstaltungen - Vortragsreihe "Komponistinnen".

 

Quellen:

Adriana Hölszkys Textkompositionen. ankommen:gehen. Wolfgang Gratzer, Jörn Peter Hiekel (Hg.), edition neue zeitschrift für musik, Rolf W. Stoll (Hg.), Mainz 2007.

Schmierer, Elisabeth: Hölszky, Adriana, in: Lexikon Musik und Gender, hg. von Annette Kreutziger-Herr und Melanie Unseld, Kassel 2010, S. 282-283.