November 2013 - Carla Bley und Galina Ustwolskaja

Carla Bley - Pianistin, Arrangeurin, Komponistin, Band Leaderin

 

 

 

Quelle: www.generalmusikdirektion.at

 

 

Carla Bley - geb. 11. Mai 1936 (USA)

von 25. November 2013 bis 5. Dezember 2013 gastiert Carla Bley (u.a. mit Steve Swallow) als Artist in Residence an der KUG.

 

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Galina Ustwolskaja - Komponistin

 

 

 

 

„Meine Musik läßt sich einfach nicht verstehen!“

Die Komponistin Galina Ustwolskaja

 

Die russische Komponistin Galina Iwanowna Ustwolskaja (1919–2006) lebte sehr zurückgezogen in St. Petersburg. Über ihr Leben ist nur wenig bekannt bzw. gab die Komponistin nicht viel preis. Ustwolskaja studierte am St. Petersburger Konservatorium (1939–1947, in der Kompositionsklasse von Dmitri Schostakowitsch); danach war sie für ca. 30 Jahre lang Kompositionslehrerin an der dem Konservatorium als Vorschule angegliederten Musikfachschule.

Ustwolskajas Werkkatalog umfasst nur 25 Kompositionen (siehe Tabelle unten; darin finden sich auch – soweit bekannt – die Uraufführungs- und Erstdruckdaten). Sie ging extrem kritisch mit ihren eigenen Werken um und entschied oft erst nach vielen Jahren, ob ihre Werke Teil des Werkverzeichnisses oder lieber doch „vernichtet“ werden sollten. Darüber hinaus komponierte Ustwolskaja Huldigungswerke an den sowjetischen Staat sowie Musik zu Dokumentar- und Spielfilmen, die sie jedoch nicht als Teil ihres Werkkatalogs verstanden wissen wollte. Erst später nahm sie einige dieser sozialistisch-realistischen Kompositionen in ihren Werkkatalog auf – diese kann man, wie die Komponistin selbst sagte, „auf den ersten Blick von meinen ‚eigentlichen‘ Werken unterscheiden“ (in der nachfolgenden Tabelle grau hinterlegt). Die drei späteren Kompositionen wurden nachträglich mit den neutraleren Titeln „Suite für Orchester“ und „Symphonisches Poem“ – statt den ursprünglichen „Sport-Suite“, „Feuer in der Steppe“ und „Heldentat“ – versehen. (Hier findet sich gewissermaßen eine Parallele zu Ustwolskajas späteren, religiös konnotierten Werken: Die religiösen Untertitel der „Kompositionen“ und der 2. Symphonie wurden im Erstdruck durch den sowjetischen Verlag verschwiegen.)

Bezüglich Ustwolskajas Verhältnis zu ihrem Lehrer Schostakowitsch ist der ‚musikalische Austausch‘ zwischen den beiden erwähnenswert: Schostakowitsch greift in zumindest zwei seiner Werke (5. Streichquartett, 1952 und mehr als 20 Jahre später im 9. Teil der Michelangelo-Suite, 1974) ein Thema aus ihrem Trio für Klarinette, Violine und Klavier auf (1949, jedoch erst 1968 uraufgeführt und 1970 gedruckt). Neuere Forschungen zeigen, dass es vielleicht doch umgekehrt war: Schostakowitsch verwendete das Thema bereits in der (unveröffentlichten) ersten Skizze zu seiner 9. Symphonie (1945).

Erst seit den frühen 1990er Jahren sind Ustwolskajas Werke im ‚Westen‘ bekannt (was auch im unten angeführten Literaturverzeichnis abzulesen ist), wobei sicherlich auch Ustwolskajas Distanz zur Öffentlichkeit eine Rolle spielte. In der Sowjetunion hingegen waren ihr bereits in den späten 1950er Jahren eigene Studien gewidmet.

(Elisabeth Kappel, November 2013)

 

Weiterführende Literatur (chronologisch):

Andreas Holzer und Tatjana Marković, Galina Ivanovna Ustvol’skaja: Komponieren als Obsession, Böhlau 2013 (Europäische Komponistinnen 8). ZB 290 Ustvolskaja G. H 762

Musik-Konzepte 143 (2009). ZB 290 Ustwolskaja G. T 121

Simon Bokman, Variations on the Theme Galina Ustvolskaya, Berlin: Kuhn 2007.

Dorothea Redepenning, ‚Schön oder wahr? Überlegungen zu Galina Ustwolskaja und ihrer Musik‘, in: Neue Zeitschrift für Musik 168 (2007), Nr. 3, S. 38–41.

Viktor Suslin, ‚The Music of Spiritual Independence: Galina Ustvolskaya, in: Ex oriente...: Ten Composers from the Former USSR, Berlin: Kuhn 2002, S. 99–114.

Olga Gladkowa, Musik als magische Kraft, Berlin: Kuhn 2001.

MusikTexte 83 (2000), S. 23–49.

Tatjana Rexroth, ‚Von Eigensinn und Außenseitertum: Zum Schaffen von Galina Ustwolskaja‘, in: Martina Homma (Hg.), Frau Musica (nova). Komponieren heute, Symposium Köln, 28.–30. Oktober 1998, Sinzig: Studio-Verlag 2000, S. 73–82.

Thea Derks, ‚Galina Ustvolskaya: „Sind Sie mir nicht böse!“ (Very Nearly an Interview), in: Tempo 193 (Juli 1995), S. 31–33.

http://ustvolskaya.org

 

CD-Aufnahmen in der Universitätsbibliothek:

Piano Sonatas (Markus Hinterhäuser), CD 10868

Piano Sonatas (Marianne Schroeder), CD 4272 und CD 595 (Oberschützen)

Twelve Preludes for Piano, CD 596 (Oberschützen)

 

Partituren in der Universitätsbibliothek:

Klaviersonaten 1–3, N 16328

Klaviersonaten 4–6, N 16327

12 Präludien, N 16326

Sonate für Violine und Klavier, N 20373

Duett für Violine und Klavier, N 20374

Komposition Nr. 1, N 23194

Komposition Nr. 2, Part Ustwolskaja Komp, 2

Komposition Nr. 3, Part Ustwolskaja Komp, 3

Symphonie Nr. 3, Part Ustwolskaja Sinf, 3

Symphonie Nr. 5, Part Ustwolskaja Sinf, 5

 

 

 Werkverzeichnis und Youtube Links