Juni 2016 - Eva Reiter

Künstlerin des Monats Juni 2016 - Eva Reiter

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Eva Reiter,  Komponistin, Instrumentalistin

Eva Reiter, geboren in Wien, studierte Blockflöte und Viola da Gamba an der Universität für Musik in Wien. Im Mai 2001 schloss sie mit Auszeichnung ab. In den Jahren 2001-2005 setzte sie das Blockflötenstudium bei Paul Leenhouts und Walter van Hauwe und das Gambenstudium bei Mieneke van der Velden am Sweelinck-Konservatorium in Amsterdam (Niederlande) fort. Nach dem Bachelor-Abschluss für Blockflöte 2004 (mit Auszeichnung) und dem Bachelor-Examen für Viola da Gamba 2005 (ebenfalls mit Auszeichnung) schloss Eva Reiter in beiden Fächern 2006 ihre Master-Studien mit Schwerpunkt im Bereich der Komposition „cum laude“ ab. Seit Mai 2006 arbeitet Eva Reiter als freischaffende Musikerin und Komponistin in Wien. Sie wird regelmäßig als Dozentin zu Kursen für Alte Musik eingeladen und unterrichtete seit 2008 Viola da Gamba an der Musikschule der Stadt Linz.

In den letzten Jahren hat sich Eva Reiter sowohl als Komponistin wie auch als Interpretin verstärkt der komponierten Musik der Gegenwart gewidmet. Ihre Tätigkeit als Komponistin wurde verschiedentlich ausgezeichnet, so u. a. mit dem „Publicity Preis“ der SKE 2006, dem Förderungspreis der Stadt Wien 2008, dem „Queen Marie José International Composition Prize“ 2008, mit einer Förderprämie und dem Startstipendium für Komposition des Bundeskanzleramts Kunst, einem Arbeitsstipendium an der Akademie Schloss Solitude/Stuttgart sowie mit dem 2. Preis des Internationalen Kompositionswettbewerbs der Stadt Gmünd/Kärnten (1. Preis nicht vergeben). Ihr Werk Alle Verbindungen gelten nur jetzt zählte 2009 zu den ausgewählten Werken des Rostrum of Composers (IRC).

Zu den Komponistinnen und Komponisten, mit denen sie zusammenarbeitet und deren Stücke sie zur Uraufführung brachte, zählen u. a. Fausto Romitelli, Paolo Pachini, Bernhard Gander, Burkhard Friedrich, Gerd Kühr, Jorge Sánchez-Chiong, Agostino di Scipio, Francesco Filidei, Claire-Mélanie Sinnhuber, Giorgio Klauer, Raphaël Cendo, Marco Momi und Christian Fennesz. Aktuell arbeitet sie neben dem Trio Elastic3 (Eva Reiter/Tom Pauwels/Paolo Pachini) und dem Duo BAND (Eva Reiter/Yaron Deutsch) intensiv an solistischen Projekten. Zudem wurde sie mehrfach für Produktionen mit dem Klangforum Wien und Ictus Ensemble engagiert.

Eva Reiter brachte eigene Werke im Rahmen des Festivals Transit in Leuven, innerhalb der Konzertreihe generator im Wiener Konzerthaus, bei Wien Modern, den ISCM World New Music Days in Stuttgart 2006 sowie beim Festival Ars Musica 2007 in Brüssel zur Aufführung. 2008 veranstaltete die Jeunesse Wien in Zusammenarbeit mit dem ORF ein Porträtkonzert im großen  Sendesaal des ORF, 2009 fand im Rahmen von Wien Modern ein „Fokus Eva Reiter“ statt, der einen Überblick über ihre bisherige Arbeit bot. Neben ihrer vielfältigen Tätigkeit im Bereich der zeitgenössischen Musik widmet sich Eva Reiter nach wie vor ausgiebig verschiedenen Projekten in der Alten Musik. Auch hier ist sie als Solistin, Orchestermusikerin (z. B. Nederlandse Bachvereeniging) sowie als fixes Mitglied verschiedener Ensembles tätig (Ensemble Mikado, Le Badinage, Unidas). Eva Reiter konzertiert zudem regelmäßig als Solistin mit Orchestern wie dem Radio-Sinfonieorchester Wien, Bruckner Orchester Linz, Rotterdam Philharmonie-Orchester u.a. Darüber hinaus wirkte sie mehrfach bei unterschiedlichen CD-Produktionen mit. (Edition Wandelweiser Records, Channel Classics, ORF-Edition Alte Musik, Gramola) Im August 2004 errang sie mit dem Ensemble Mikado (Wien) den 1. Preis des IYAP-Wettbewerbes.

Sie ist Gast bei nationalen und internationalen Festivals, darunter Münchener Biennale, steirischer herbst und musikprotokoll im steirischen herbst Graz, Festival Unlimited Wels, Grabenfesttage Wien, Tage Alter Musik Berlin, Tage Alter Musik Regensburg, Wandelweiser, Cadenze Den Haag und Wien Modern.

Als kennzeichnend für Eva Reiters kompositorische Arbeit der letzten Jahre kann die Auslotung des schmalen Grats zwischen rein akustischer und elektronischer Musik angesehen werden. Die Aufmerksamkeit ist jenem Material gewidmet, das die Illusion elektronischer Klänge erweckt. Dabei sollen durch einfache Mittel wie Präparierungen Klänge mit einer komplexen Binnenstruktur erzeugt werden. Die Klanggestaltungen der für Reiters Musik elementaren elektronischen Zuspielungen bestehen zum einen aus Samples, die den Instrumenten selbst entnommen sind, zum anderen aus Maschinen und Motorensounds, deren asymmetrische Loopeigenschaft besonders charakteristisch ist. Eva Reiter entwickelt Legierungen zwischen Elektronik und Instrumentalklang und schafft somit ein symbiotisches Gefüge.

Der Interpret/die Interpretin wird durch die Strenge des kompositorischen Plans und das exakte Timing zwischen Live-Part und Tape fast schon selbst in so etwas wie einen maschinellen Zustand versetzt. Der ideelle Kontakt zum wissenschaftlichen Kontext der Molekularbiologie zeigt sich in vielen ihrer Werke. Die Aufmerksamkeit richtet sich hierbei auf musikalische Details, die zueinander ein Abhängigkeitsverhältnis aufweisen und die quasi mikroskopisch bearbeitet und unterschiedlichen äußeren Einflüssen ausgesetzt werden. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Analyse menschlicher Sprache, das Bearbeiten und Zerlegen bestimmter Texte bis zur Unkenntlichkeit einerseits und das Entwickeln einer neuen Klangsprache auf Basis von Artikulationsanalyse andererseits. Im Zentrum stehen gezielte Phrasierungen, die dem Klang und der Melodiebildung menschlicher Rede nachempfunden sind, und atypische, dem Instrument oftmals fremde, komplexe Klanggestaltungen, die instrumentale Charakteristika aufzulösen versuchen. 

 

Eva Reiter ist am Freitag, 10. Juni zu Gast an der KUG (Brandhofgasse 21, Aula) und wird im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Ein Tag für eine Komponistin" ab 10 Uhr einen Vortrag und einen Workshop abhalten. 
Am Samstag, 11. Juni ist Eva Reiter zu Gast bei "open music".
Programm als pdf.


 

Quellen:

www.evareiter.com

www.musicaustria.at/eva-reiter/