Juli 2020 - Margaret Bonds

In der Reihe „Künstlerin des Monats“ ehrt das ZfG im Juli 2020 die US-amerikanische Komponistin, Pianistin, Pädagogin und musikalische Aktivistin der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung Margaret Bonds (1913-1972). Eines ihrer bedeutendsten Werke, die Montgomery Variations, wird in diesem Jahr 55 Jahre alt. 

Margaret Bonds kompositorisches Werk ist vielfältig, da sie nicht nur für klassische Ensembles schrieb, sondern auch für Amateurchöre, Broadwayshows und das Fernsehen, als auch für Jazz Musiker wie Cab Calloway und Louis Armstrong. Dennoch sind von ihren über 200 Kompositionen heute nur weniger als die Hälfte überliefert. Bonds Werke gerieten nach ihrem frühzeitigen Tod in Vergessenheit, wurden später teilweise nur durch Zufall auf Buchmärkten und Schließfächern entdeckt und erst vor wenigen Jahren der Forschung zugänglich gemacht. 

In ihren Kompositionen bezieht sich Bonds hörbar auf Schwarze Musiktraditionen wie Spiritual, Jazz, Blues und Calypso, die sie jedoch in ihren ganz eigenen Stil überführt und mit Stilelementen europäischer Romantik mischt, wie z.B. im Klavierstück Troubled water oder in der Weihnachtskantate Ballad of the Brown King, für die Langston Hughes, einer der zentralen Figuren der Harlem Renaissance und langjähriger Kollaborateur von Bonds, den Text beisteuerte. Die Sopranistin Leontyne Price gab in den frühen 1960er Jahren eine Reihe von Spiritual-Arrangements bei Bonds in Auftrag, die zu Prices populärsten Aufnahmen gehören. 

Da weder Bonds noch ihre Tochter die Rechte ihrer Musik testamentarisch verfügten, befinden sich viele ihrer unveröffentlichten Werke in einer juristischen Grauzone. Professionelle Orchester zögern, Werke wie die Montgomery Variations aufzuführen, da das (ungeklärte) Urheberrecht je nach Interpretation erst 2042, 2060 oder 2085 abläuft. Dabei wäre dieses Werk, das sie Martin Luther King Jr. widmete, ein zentrales Beispiel für Bonds musikalischen Aktivismus. Denn sie komponierte dieses Stück 1965 als Reaktion auf den Busboykott von Montgomery, eines der berühmtesten Protestmomente der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, ausgelöst von Rosa Parks Weigerung ihren Sitz für eine weiße Person zu räumen. Bonds selbst beschreibt das Werk als eine Verarbeitung des Spirituals I Want Jesus to Walk With Me in der Weise einer Bach Partita. Mit ihren Werken versuchte Bonds den Kampf für die Bürgerrechte der Schwarzen und Black Experience in die Konzertsäle zu bringen, jedoch erschöpfte sich ihr Aktivismus nicht auf diese Räume. Sie engagierte sich auch für kostenlosen Musikunterricht für Schwarze Jugendliche und gründete die Margaret Bonds Chamber Music Society, um die Musik anderer Afro-Amerikanischer Komponist_innen zu fördern. 

Zum Weiterlesen: 

Helen Walker-Hill: From Spirituals to Symphonies: African-American Women Composers and Their Music, Westport, Connecticut: Greenwood Press, 2002.

Neneh Sowe: "Ausradiert, unsichtbar gemacht und gesilenced", Missy Magazine, 27.02.2020 

Brian Lauritzen: "Open Ears: The Endlessly Unfolding Story of Margaret Bonds", KUSC Staff Blog, 30.04.2018 

Anne Midgette: "A Forgotten Voice for Civil Rights Rises in Song at Georgetown", 10.11.2017

"Lesser-Known Composer of the Month: Margaret Bonds", Florida State University Libraries, Oktober 2014

"Margaret Bonds: Composer and Activist", Ausstellung in der Leon Robbin Gallery, Georgetown University Library, August 2016 - Januar 2017

 

 

Text von Eike Wittrock