Juli 2016 - Ethel Smyth

Künstlerin des Monats Juli 2016 - Ethel Smyth

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Ethel Smyth: geb. 23. April 1858 in London; gest. 8. Mai 1944 in Woking, Komponistin, Dirigentin

Ethel Smyth wehrte sich Zeit ihres Lebens gegen die Repressionen eines von Männern dominierten Musikbetriebs gegenüber Komponistinnen. Ihrem unermüdlichen Engagement und ihren Führsprecherinnen (u.a. Königin Viktoria) zum Dank, konnte Ethel Smyth schon zu Lebzeiten die Aufführung ihrer Opern an wichtigen europäischen und amerikanischen Bühnen durchsetzen.

Der Vater, an militärische Strenge gewöhnt, stand für eine strenge Erziehung, Freiraum zu musisch-künstlerischer Entfaltung der Kinder blieb dabei kaum. Ethel Smyth hat in dieser Kindheit zwei wesentliche Prägungen erhalten, die sie bis ins hohe Alter beibehielt: ein Faible für Sport und die Gewissheit, für ihre musikalischen Ambitionen kämpfen zu müssen. Von den langsam erwachenden musikalischen Ambitionen seiner Tochter war der Vater keineswegs begeistert. Nur auf Umwegen lernte Ethel Smyth die musikalischen Grundbegriffe kennen, später fuhr sie zuweilen sogar heimlich nach London, um dort Konzerte zu hören.  Geprägt durch ihren ersten frühen Musikunterricht bei ihrer am Leipziger Konservatorium ausgebildeten Gouvernante, zog es sie 1877 ebenso nach Leipzig um Komposition (u.a. bei Carl Reinecke) zu studieren. In Leipzig komponierte Ethel Smyth vorwiegend Kammermusik. Ab 1887 entstanden erste Orchesterwerke u.a. die Serenade und die Ouvertüre Antony and Cleopatra. 

In ihrer Hinwendung zur Oper ab 1892 drang sie nun in ein von Männern dominiertes Terrain vor. Dadurch war sie auch gezwungen, quer durch Europa zu reisen, um ihre Werke bekannt zu machen und Intendanten und Dirigenten vorzustellen. Die Rezeptionsbedingungen wurden durch das zunehmend gereizte Klima zwischen Großbritannien und Deutschland noch zusätzlich erschwert.  Für alle Opern musste sich Ethel Smyth eine Uraufführung erkämpfen, von denen drei in Deutschland stattfanden. Neben diesen zeitraubenden und anstrengenden Bemühungen um Aufführungen komponierte Ethel Smyth mehrere Chorwerke und Lieder.

1911-13 engagierte sie sich aktiv in der politischen Suffragetten-Bewegung, ein Engagement, das sie 1912 sogar für zwei Monate ins Gefängnis brachte. Dabei kam sie  in engen Kontakt mit Emmeline Pankhurst, einer der führenden Frauenrechtlerinnen. Smyths „March of the Women“ (1991) avanciert zur “Marseillaise” der Frauenrechtsbewegung. 

Zahlreiche Kollegen, darunter namhafte Dirigenten, waren von Ethel Smyths Werken so beeindruckt, dass sie sich mehrfach um Aufführungen bemühten. Dieser Einsatz führte zu zahlreichen Aufführungen ihrer Werke im In- und Ausland. Jedoch erkannte und kritisierte Ethel Smyth bereits zu Lebzeiten die Nichtbeachtung, die ihrem Werk von (musik-)historischer Seite zukam.

Nach ihrem Tod geriet ihr kompositorische Œuvre schnell in Vergessenheit, während Ethel Smyth als Schriftstellerin weiterhin bekannt war. Dominiert wurde das Geschichtsbild von Ethel Smyth allerdings vor allem jenseits ihrer künstlerischen Aktivitäten durch ihr Engagement in der Suffragetten-Bewegung.

 

Literaturtipps

Smyth, Ethel: Impressions that Remained. Memoirs by Ethel Smyth, New York: Alfred A. Knopf.

Batsch, Cornelia/Grotjahn, Rebecca/Unseld, Melanie (Hgg.): Felsensprengerin, Brückenbauerin, Wegbereiterin. Die Komponistin Ethely Smyth, München: Allitera Verlag 2010 (Beiträge zur Kulturgeschichte der Musik 2).

 

 

Quellen:

Jiracek, Pavel: Smyth, (Mary) Ethel, in: Lexikon Musik und Gender, hg. von Annette Kreutziger-Herr und Melanie Unseld, Kassel 2010, S. 478.

Unseld, Melanie: Ethel Smyth, in: mugi.hfmt-hamburg.de/Artikel/Ethel_Smyth

mugi.hfmt-hamburg.de/Smyth/index.html