Jänner 2016 - Pia Palme

Künstlerin des Monats Jänner 2016 - Pia Palme

Pia Palme by Stefan Fuhrer 2015


Pia Palme: geboren 1957 in Wien, Komponistin, Experimentalistin und Künstlerin

Pia Palme lebt als Komponistin, Experimentalistin und Künstlerin in Wien. Um ihre Kompositionen in einer kritischen Betrachtung der Gesellschaft zu verankern, setzt sie in ihren Werken performative Mittel, Installationen und Texte ein. Die Stimme als politisches und musikalisches Ausdrucksmittel nimmt in ihrem Werk eine zentrale Rolle ein.

Pia Palme studierte am Konservatorium der Stadt Wien, der Universität und Technische Universität Wien Mathematik, Geometrie, Musik, Konzertfach Blockflöte, Instrumentalpädagogik, Konzertfach Oboe und Komposition. 1979 – 1997 war sie Oboistin, 1989 Auseinandersetzung mit Improvisation und Raumgewahrsein am Naropa Institute Boulder, Colorado. Seit 2001 laufende Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Formen elektronischer Musik im Raum, installativen Projekten. Zudem ist sie Textautorin und  Performerin experimenteller Musik. Derzeit forscht und arbietet sie für eine künstlerische Dissertation in Komposition an der University of Huddersfield, UK unter Prof. Liza Lim, zum Thema ‘Performing the Noise of Mind’.

Pia Palme wurde mit mehreren Stipendien der Republik Österreich sowie mit Kompositionsförderungen der Stadt Wien ausgezeichnet. 2015 wurde sie von soundandmusic UK ausgewählt, ein Projekt mit dem Vokalensemble Exaudi in London zu verwirklichen, und in die Liste der New Voices 2015 in die Kollektion des British Library aufgenommen. 2015 erhält sie ebenfalls den Outstanding Artist Award in Musik der Republik Österreich.
 
2007 gründete sie das Festival e_may für neue und elektronische Musik in Kooperation mit Gina Mattiello, wo sie bis 2012 auch für die Produktion verantwortlich war. Die von e_may uraufgeführten Auftragswerke von Komponistinnen haben die Landkarte neuer Musik in Österreich nachhaltig verändert. Des Weiteren übernahm Pia Palme auch Lehrtätigkeiten und  Projekte neuer und elektronischer Musik mit SchülerInnen und Jugendlichen.

(Auftrags)werke u.a. bei den Festivals Klangspuren 2011, e_may, soundframe, Elevate Graz, musikprotokoll/Steirischer Herbst 2014, wienmodern 2012, 2015, Raflost Island 2012, Altonale Hamburg, Mak-Night, Stromschiene Alte Schmiede Wien, Salzburg Biennale 2015. Ausgedehnte Residencies als Komponistin/Performerin in New Zealand 2009, Island 2012 und Teheran 2012, 2013, 2014. Produktion und Komposition der kollaborativen Oper ABSTRIAL 2013 mit Electric Indigo, Paola Bianchi, Anne Waldman und Ivan Fantini; mit der amerikanischen Autorin Anne Waldman verbindet Palme eine langjährige Zusammenarbeit.

Entschlossen eröffnet Pia Palme Wirkungsfelder zwischen Konzept und Kontext, Komposition und Improvisation, zwischen akustischer und elektronischer Musik. Sie entwirft feingliedrige Konzepte in unterschiedlichen Dimensionen und stellt Vokal- und Instrumentalmusik in raumgreifende Anordnungen, um Zwischentöne aufzunehmen und zu verlautbaren. Neues Terrain begeht sie auch als gefragte Musikerin und Improvisatorin mit der 2007 entwickelten Subbassblockflöte des Schweizer Instrumentenbauers Küng. Weiters setzt Palme ein elektronisches Setup ein, mit dem sie ihr bisweilen zerlegtes Instrument oder andere Klangquellen moduliert und verarbeitet.

Experimentelle Felder erschließt Pia Palme in ihrer Verbindung von instrumentalen Klängen und Stimmperformance sowie deren elektronischer Verfremdung, etwa wenn sie die Töne ihrer Subbassblockflöte abnimmt oder InterpretInnen mit Kehlkopfmikrofonen ausstattet. Ihrer Zeit enthoben kommen Materialien aus dem Barock zum Einsatz, um etwa der Oboe da Caccia in der Gegenwart einen neuen Platz zuzuschreiben. Palme tritt zudem als Blockflötistin und Performerin in Erscheinung. Sie erprobt in der Abstimmung auf den Raum ungewöhnliche Formen des Auftritts, wenn die InterpretInnen etwa weit voneinander entfernt auf die Kommunikation mittels Blickkontakt verzichten müssen und ein Chor dazu herausgefordert wird, sich ohne Dirigent selbst zu organisieren. So eröffnen sich klangliche Spannungsfelder, die auch gesellschaftliche Fragen aufwerfen. Als Komponistin widmet sie sich in letzter Zeit verstärkt dem Finden von neuen kompositorischen Strukturen.

 

Quellen:
www.musicaustria.at/magazin/neue-musik/artikel-berichte/pia-palme
piapalme.at