Februar 2017 - Pauline Viardot

Pauline Viardot-García
http://musicksmonument.nl/Lesprit_de_Paris_-_La_belle_epoche/PAULINE_MICHELLE_FERDINANDE_GARCIA_VIARDOT.html

 

Am 05. Mai wird Beatrix Borchard ihr Buch "Pauline Viardot-García. Fülle des Lebens" vorstellen.

Uhrzeit: 15.00 - 16.30 Uhr
Ort: Palais Meran, Seminarraum 24

In Kooperation mit dem Institut 15 Alte Musik und Aufführungspraxis

 

 

Pauline Viardot, geb. 1821 in Paris, gest. 1910 in Paris, Sängerin, Komponistin, Pianistin und Gesangslehrerin

Viardot-García Michelle Fernandine Pauline wurde am 29. August 1821 als Tochter des spanischen Tenors und Komponisten Manuel del Pópulo Vicente García und der Sängerin Joaquina Sitches in Paris geboren. Sie wuchs in einer hoch musikalischen Familie auf und erhielt ihre erste musikalische Ausbildung bei Marcos Vega, dem Organisten der Kathedrale von Ciudad de Mexico.
Ihr Vater begeisterte sie während einer Reise von Veracruz nach Frankreich für den Gesang und vermittelte den Töchtern die Liebe zu Fremdsprachen. Als sie sechs Jahre alt war, konnte sie bereits Französisch, Spanisch, Italienisch und Englisch sprechen; später lernte sie auch Deutsch und Russisch.

Neben ihrer Karriere als Sängerin entwickelte sie sich zu einer hervorragenden Pianistin und wurde von Charles Maysenberg am Pariser Conservatoire und später von Franz Liszt unterrichtet. Als Pianistin trat sie zum ersten Mal 1835 mit ihrer Schwester und dem Violinisten Charles de Bériot in Belgien und Deutschland auf. Mit 15 Jahren entschied ihre Mutter jedoch, dass sie sich ausschließlich dem Gesang widmen sollte, obwohl das ihrem Wunsch, Pianistin zu werden, entgegenstand. Ab 1836 entwickelte sie sich zu einer vortrefflichen Sängerin mit einer außergewöhnlichen, von vielen Bewunderern als charismatisch bezeichneten Mezzosopranstimme, die mühelos vom Sopran zum Alt wechseln konnte. Auf allen großen Opernbühnen Europas feierte sie triumphale Erfolge: So sang sie z.B. 1838 am Pariser Théâtre de la Renaissance oder 1839 am Londoner King’s Theatre die Rolle der Desdemona in Giochino Rossinis Otello. In dieser Zeit befreundete sich Pauline Viardot-García mit George Sand und Frédéric Chopin; in Nohant sang sie, begleitet von Chopin am Klavier, oder spielte mit ihm Duette. In einem Konzert Chopins am 21. Februar 1842 in der Salle Pleyel führten beide ihr Lied Le Chêne et le Roseau auf. Die Komplexität der Klavierbegleitung zeigt das Talent von Pauline Viardot-García als Komponistin sowie den Einfluss Chopins.

Sie trat aber nicht nur in Paris, London und Berlin auf, sondern auch in St. Petersburg, wo sie 1843 anlässlich eines Gastspiels die Bekanntschaft des russischen Dichters Iwan Turgenjew machte, die sich zu einer lebenslangen intensiven Freundschaft entwickelte.

1859 trat sie in einem von Hector Berlioz dirigierten Konzert erstmals in Baden-Baden auf. 1863 zog sie mit ihrem Mann, dem Pariser Theaterdirektor und Kunstschriftsteller Louis Viardot, und ihren vier Kindern nach Baden-Baden. Damit sorgte sie für die Entwicklung der Kurstadt zur internationalen Kulturstadt. In ihrem Baden-Badener Domizil, zu dem neben einer Villa auch ein Gartentheater und eine Kunst- und Vortragshalle gehörten, trafen sich Musiker, Dichter, Maler und andere bedeutsame Persönlichkeiten ihrer Zeit.

Pauline Viardot-García und Clara Schumann, mit der sie seit 1838 eng befreundet war, sorgten in Baden-Baden für die Aufführung verschiedener Werke von Robert Schumann, Frédéric Chopin und Johannes Brahms. Bei Pauline Viardot-Garcías berühmten Martineen traten u.a. die Pianisten Anton Rubinstein und Franz Liszt auf, zu ihren Gästen zählten Richard Wagner, Theodor Storm und andere. Camille Saint-Saëns widmete ihr seine Oper Samson et Dalila.

Als ihre Stimme an Strahlkraft verlor, widmete sich Pauline Viardot-García verstärkt der Komposition und dem Unterricht: Als Gesangslehrerin genoss sie einen legendären Ruf. Sie förderte viele spätere Berühmtheiten wie z.B. Massener, Gounod, Fauré. Darüber hinaus arrangierte Pauline Viardot-García Musikstücke befreundeter Musiker. Ihre Operette Le Dernier Sorcier wurde 1869 von Brahms im Haus Viardot dirigiert. 1870 führte sie die Solopartie der Alt-Rhapsodie op. 53 von Brahms auf.

Sie vertonte Texte der deutschen Dichter Eduard Mörike und Heinrich Heine, schrieb Lieder nach französischen, italienischen, spanischen und russischen Texten und bearbeitete instrumentale Werke von verschiedenen Komponisten für Klavier und Gesang. Bis zum deutsch-französischen Krieg 1870/71 entwickelte sich vom Haus Viardot aus eine facettenreiche Kunst- und Kulturszene, welche die Attraktivität der Kurstadt noch erhöhte. Nach Kriegsbeginn zog die Familie Viardot nach Paris zurück.

Als Pauline Viardot-García 1910 in Paris starb, hinterließ sie neben der Erinnerung an ihre berühmten Gesangsauftritte und ihren Einsatz als äußerst kompetente Gesangslehrerin eine Vielzahl musikalischer Kunstwerke, die erst in jüngster Zeit wiederentdeckt werden.

 

Quelle:

Capdepón, Paulino: Viardot-García, in: Lexikon Musik und Gender, hg. von Annette Kreutziger-Herr und Melanie Unseld, Kassel 2010, S. 509-5010.