Dezember 2015 - Hildegard von Bingen

Künstlerin des Monats Dezember 2015 - Hildegard von Bingen

 

Hildegard von Bingen (1098-1179)
St. Rochus Kapelle in Bingen

Hildegard von Bingen: geb. 1098 in Bermersheim; gest. 17. September 1179 in Rupertsberg, Komponistin, Äbtissin, Mystikerin, Diplomatin, Autorin

Von Hildegard von Bingen sind 13 religiöse, natur- und heilkundliche Werke, 77 notierte Gesänge und eines der ersten überlieferten liturgischen Dramen, vermutlich sogar das erste überhaupt, überliefert. Die junge Hildegard wurde 1106 in die Obhut von Jutta von Sponheim gegeben, die eine dem Benediktinerkloster am Disibodenberg angeschlossene Klause leitete. 1150 gründete Hildegard gegen den Willen des Abtes einen eigenen Konvent am Rupertsberg bei Bingen. 1165 kam ein weiteres Haus in Eibingen hinzu wo heute der Sitz der heutigen Hildegardabtei ist.

In der Trilogie Scivias (1141-1151), Liber vite meritorum (1158-1163) und Liber divinorum operum (1163-1173) entwickelt Hildegard von Bingen in prophetischen, apokalyptischen und symbolischen Bildern einen weit gespannten Kosmos, in dem die Musik einen zentralen Platz einnimmt. Noch nicht musikalisch notiert, spiegeln die Texte bereits den Klang der göttlichen Offenbarung wider, den Hildegard zu hören glaubte.

Zwei Hauptquellen (Dendermonde und Wiesbaden) überliefern den musikalisch notierten Ordo virtutum und 77 liturgische Gesänge. Das Hildegard von Bingen zugeschriebene Gesangskorpus ist das umfassendste Werk eines einzelnen namentlich bekannten Autors/einer einzelnen namentlich bekannten Autorin des Hochmittelalters. Jedoch gibt es keinen Originalitätsanspruch. Die Gesänge sind mit der Gregorianik und den neueren musikalischen Formulierungen des 12. Jahrhunderts eng verbunden, jedoch ist die musikalische Sprache bei all der Formelhaftigkeit sehr individuell. Fast die Hälfte ihrer Gesänge überschreitet den Normalambitus des Gregorianischen Chorals und der geltenden Musiktheorie und bewegen sich in einem weiten Raum von bis zu 15 Tönen. Hildegards Melodien überschreiten zudem auch das herkömmliche Maß an Melismatik.

 

Quelle:
Richert Pfau, Marianne: Hildegard von Bingen, in: Lexikon Musik und Gender, hg. von Annette Kreutziger-Herr und Melanie Unseld, Kassel 2010, S.277-278.