April 2015 - Graziella Contratto

Künstlerin des Monats April 2015: Graziella Contratto

 

 

Seit September 2003 ist Graziella Contratto als erste Frau in Frankreich Chefdirigentin eines staatlichen Orchesters: des Orchestre des Pays de Savoie. Innerhalb der ersten Saison wurde ihr von der französischen Presse eine besondere Originalität in der Programmwahl und eine hohe Sensibilisierung des Publikums für unbekannte und zeitgenössische Werke attestiert. Außerdem fanden ihre Konzerteinführungen großen Anklang.

Graziella Contratto arbeitet mit Künstlerpersönlichkeiten wie Bruno Ganz, Anna Larsson, Patrizia Ciofi, Roberto Saccà, Renato Bruson, Anne Gastinel, Michel Portal, Raphaël Oleg, Nicolas Angelich, Lisa Larsson, Donald Littaker, Lothar Odinius und Stefan Genz zusammen.

Nach ihrer erfolgreichen Tätigkeit als Konzertpianistin und Kammermusikerin ließ sich die Schweizer Musikerin Graziella Contratto ab 1991 zur Kapellmeisterin ausbilden, wobei Rudolf Kelterborn, Detlev Müller-Siemens, Horst Stein, Manfred Honeck, Wilfried Boettcher und Ralf Weikert zu ihren Lehrern zählten. In verschiedenen Kursen arbeitete sie zusätzlich mit Jorma Panula, Kirk Trevor und Tsung Yeh zusammen.

1996 dirigierte G. Contratto die Uraufführung der Oper „Knastgesänge“ von Hans Werner Henze am Theater Basel. Sie erhielt im gleichen Jahr Einladungen ans Lucerne Festival zur Jubiläumsfeier von Paul Sacher und dirigierte an verschiedenen Festivals für zeitgenössische Musik. Zwischen 1996 und 1999 war sie Chefdirigentin des Akademischen Orchesters Freiburg i.Br.. Sie wurde 1992 als jüngste Dozentin der Schweiz für Musiktheorie an die Musikhochschule Luzern engagiert. Außerdem leitete sie zwischen 1995 und 1999 die Konzertkonzeption der Internationalen Gesellschaft für zeitgenössische Musik IGNM Luzern.

Graziella Contratto hat seither verschiedene Uraufführungen dirigiert - so Werke von Andrea Scartazzini, Jörg Widmann, Suzanne Giraud, Daniel Glet, Alain Bérlaud, Jean Louis Agobet...- und mehrere Kompositionen in Auftrag gegeben.

1998 holte sie Claudio Abbado als musikalische Assistentin an die Berliner Philharmonie, wo sie u.a. sämtliche Konzert- und Aufnahmeprojekte der Berliner Philharmoniker betreute. Ebenfalls wirkte sie an den Osterfestspielen Salzburg mit: Herbert Wernicke, Klaus Michael Grüber und Peter Stein vermittelten ihr unvergessliche Eindrücke in ihrer Regiearbeit (Boris Godunow, Tristan und Isolde und Simone Boccanegra). Außerdem übernahm sie die Einstudierung von Cosi fan tutte am Theater von Ferrara mit dem Mahler Chamber Orchestra unter der Gesamtleitung von C. Abbado.

Im April 2000 wurde G. Contratto vom Orchestre National de Lyon einstimmig aus über 80 Bewerbern zum chef résident ernannt.

Im Juli 2002 übernahm sie die musikalische Leitung des Operncollage-Projekts „Olympische Gesänge“ im Pergamonmuseum Berlin und produzierte für Ihr Heimatdorf Schwyz zusammen mit der Regisseurin Mirella Weingarten die Tango-Oper „Maria de Buenos Aires“ von Astor Piazzolla in deutsch-italienisch-argentinischer Zusammenarbeit.

G. Contratto dirigierte in den vergangenen Saisons an den Berliner Festwochen (Kagel, Berio, Carter), am Young Artists Festival Davos, an der EXPO Hannover (mit den Bamberger Symphonikern), das Tonhalle Orchester Zürich, das Orchestra sinfonica Giuseppe Verdi Mailand und sprang in Frankreich erfolgreich für Emanuel Krivine ein. Außerdem trat sie mit dem Deutschen Kammerorchester Berlin, der Camerata Schweiz, dem Orchestre National de Lyon, dem Orchestre de la Basse normandie, mit der Deutschen Kammerakademie Neuss, den Göttinger Sinfonikern, dem Orchestre de Picardie und dem Orchestre de Chambre de Genève, dem Berner Symphonieorchester, dem Orchestra sinfonica di Bari und der Manhattan School of Music NY auf.

2005 erhielt sie eine Einladung von Gidon Kremer für das Festival „Muséiques“ in Basel und dirigierte 2007 das Jeune orchestre Atlantique auf historischen Instrumenten am Festival von Philippe Herreweghe in Saintes.

Seit mehreren Jahren ist sie ständiger Gast bei verschiedenen Radio- und TV-sendern in der Schweiz, Frankreich und Deutschland (DRS, RSR, Harald Schmidt, France 3, Mezzo). In Bettina Ehrhardts mehrfach ausgezeichneten Filmen über Luigi Nono (Eine Kielspur im Meer; Intolleranza 2004), Bobby McFerrin (We Play) und Helmut Lachenmann (wo ich noch nie war) wirkte Graziella Contratto als musikalische Beraterin mit.

Im Januar 2006 leitete sie eine viel beachtete Produktion von Viktor Ullmanns Oper "Der Kaiser von Atlantis" in der Zusammenarbeit mit André Fornier, Regie, und Mirella Weingarten, Ausstattung. Gleichzeitig wurde der Film "Graziella Contratto - entre grâce et maîtrise" von Perrine Robert auf dem französischen Kultursender MEZZO ausgestrahlt.

Im Juli 2007 übernahm Graziella Contratto die Intendanz des Davos Festival - young artists in concert: in ihrem ersten Jahr gelang es ihr dank ungewöhnlicher Konzertkonzepte, aber auch dank eines internationalen young composers Workshops unter der Leitung von Wolfgang Rihm und mit originellen Veranstaltungskonzepten für Publikumszuwachs zu sorgen.

Graziella Contratto leitete im November 2007 eine Meisterklasse für die jungen Dirigierstudenten des Pariser Konservatoriums; in Zusammenarbeit mit der camerata Schweiz erteilt sie zudem regelmäßig Dirigierunterricht für Manager und Kaderpersönlichkeiten innerhalb verschiedener Wirtschafts-Workshops.

Im Juli 2008 leitete sie mit international glänzenden Kritiken Verdis "La Traviata" am Opernfestival in Avenches. Mit der camerata Schweiz, die sie seit 2004 als künstlerische Leiterin begleitet, wird Graziella Contratto im Frühjahr 09 eine Wiederaufnahme des erfolgreichen Konzert-Theaters 'Im Orchestergraben' mit dem Clown-Duo Ursus&Nadeschkin dirigieren. Für Herbst 2009 wurde Graziella Contratto eingeladen, in ihrem Heimatort Schwyz ein Festival zu Ehren von Artur Schnabel, der in Schwyz seine letzte Ruhestätte gefunden hat, zu konzipieren.

Quelle: www.graziellacontratto.com