Künstlerin/innen des Monats

Jeden Monat stellt das Zentrum für Genderforschung eine Künstlerin bzw. Künstlerinnen vor.

Künstlerin des Monats Oktober 2018 - Chaya Czernowin

Photo by Irina Rozovsky

Veranstaltungstipp:

4 - 6 October 2018, Kunstuniversität Graz
ARTikulationen
A Festival of Artistic Research

 

Friday, 5 October 2018

MUMUTH, PROBERAUM
10:00
Round Table 2: On Experimenting
Fred FRITH (Mills College), Bérangère MAXIMIN (Paris),
Chaya CZERNOWIN (Harvard University), Deniz PETERS

PALAIS MERAN, FLORENTINERSAAL
13:00
Keynote: Are You a Tracker? Researching 
Time Over a Lifetime *
Chaya CZERNOWIN (Harvard University)

Infos unter: musikprotokoll@ARTikulationen

 

Chaya Czernowin, geboren in Israel, Komponistin

Chaya Czernowin, geboren am 7. Dezember 1957 in Haifa, wuchs in Israel auf. Sie studierte Komposition an der Rubin Academy of Music in Tel Aviv bei Abel Ehrlich und Izhak Sadai. Mit 25 Jahren bekam sie ein DAAD Stipendium und begann in Berlin bei Dieter Schnebel zu studieren. 1986 ging sie in die Vereinigten Staaten um am Bard College bei Eli Yarden und Joan Tower zu studieren. Sie machte ihren PhD an der University of California San Diego bei Roger Reynold und Brian Ferneyhough. Nach ihrer Ausbildung nahm sie sich Zeit zum Reisen und Komponieren. Von 1993-1995 war sie in Japan (Asahi Shimbun Fellowship, NEA Scholarship) und 1996 in Deutschland (Akademie Schloss Solitude). Dies war eine fruchtbare Zeit in ihrer kompositorischen Entwicklung.

Czernowin betrachtet das Unterrichten als einen wichtigen Aspekt ihrer kompositorischen Entwicklung. Von 1997 – 2006 war sie Professorin für Komposition an der University of California San Diego, von 2006 – 2009 Professorin an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien und im Jahr 2009 wurde sie zur Professorin für Musik an der Harvard Universität ernannt. Sie war Gastprofessorin in verschiedenen Institutionen und unterrichtet seit 1990 am internationalen Sommerkurs für Neue Musik in Darmstadt. Czernowin gründete mit ihrem Ehemann, dem Komponisten Steven Takasugi, und Jean Baptiste Joly einen Kurs für junge Komponisten an der Akademie Schloss Solitude bei Stuttgart sowie einen Kurs in Israel auf dem Festival Tzlil Meudcan gemeinsam mit Yaron Deutsch.

Czernowins Produktion umfasst Kammer- und Orchestermusik mit und ohne Elektronik. Ihre Werke werden regelmäßig auf vielen der wichtigsten zeitgenössischen Musikfestivals in Europa sowie in Japan, Korea, Australien, den USA und Kanada gespielt. Czernowin komponierte zwei großformatige Werke für die Bühne: Pnima…ins Innere (2000) im Auftrag der Münchner Biennale. Das Stück wurde als beste Premiere des Jahres von Opernwelts Kritikerumfrage und zum Gewinner des begehrten Bayrischen Theaterpreises ausgewählt. Das Stück Adma (2004-2005) wurde zu Mozarts 250. Geburtstag von den Salzburger Festspielen in Auftrag gegeben. Beide Opern haben einen starken politischen Inhalt.

Auch ihre Kammermusik hat einen starken politischen Einfluss. Die Kammerstücke aus den 1990er Jahren erforschen die Möglichkeiten der zeitlichen und formalen Divergenz. Sowohl Afatsim (1996) als auch in dem Streichquartett von 1995 wird versucht die Identität der Instrumente zu verändern, indem man „Meta-Instrumente“ schafft – einige Instrumente werden zu einer Identität vereint um dann wieder voneinander getrennt zu werden. Dadurch kann das Ensemble seine Identität innerhalb des Stückes verändern. Die Wintersons-Serie verwendet das gleiche Septett-Material, das fünf Mal neu interpretiert wird. Mit jeder Wiederholung kommt es zu einer anderen musikalischen Erfahrung.

Maim (2001-2007) für ein großes Orchester und eine Solistengruppe, aber auch andere Stücke aus den 2000er Jahren einschließlich der elektronischen Arbeiten im experimentellen Studio, spekulieren über die Körperlichkeit und Bewegung des Materials. Sie berühren eine seltsame und unbekannte Art von „Physik“, die mit unseren Erwartungen übereinstimmt. Die Erforschung von Zeit und Form einerseits und von Material, seiner Natur und Körperlichkeit andererseits findet in Hidden (2013-2014) für Streichquartett und Elektronik einen neuen Ausdruck, in dem eine verlangsamte Erfahrung der Zeit an verzerrte Materialreflexionen gekoppelt ist. Dadurch entsteht der Eindruck, dass man einen Blick in eine fremde Welt wirft.

Czernowins Arbeit ist eine bedeutende und einzigartige Stimme in der Musik der Gegenwart. Für ihre Kompositionen erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Kranichsteiner Musikpreis (1992), den Asahi Shimbun Fellowship Preis (1993), das Schloss Solitude Fellowship (1996), das IRCAM Reading Panel (1998), den Kompnistenpreis der Ernst von Siemens Music Foundation (2003), der Rockefeller Foundation Prize (2004), der Fromm Foundation Award (2008), eine Nominierung des Berliner Wissenschaftskollegs (2008), der Guggenheim Fellowship Award (2011) und der Heidelberger Künstlerinnenpreis (2016). Sie war 2005/06 Artist in Residence bei den Salzburger Festspielen und 2013 beim Lucerne Festival in der Schweiz.

 

Quelle:

https://en.schott-music.com/shop/autoren/chaya-czernowin (04.10.2018)