Künstlerin/innen des Monats

Jeden Monat stellt das Zentrum für Genderforschung eine Künstlerin bzw. Künstlerinnen vor.

Künstlerin des Monats April 2018 - Gabriele Wietrowetz

Gabriele Wietrowetz, 13.01.1866 - 06.04.1937, Violonistin

 

Die Violinistin Gabriele Wietrowetz wurde schon im Kindesalter durch ein musikalisches Elternhaus geprägt. Geboren am 13. Januar 1866 im damals österreich-ungarischen Laibach, dem heutigen Ljubljana, wurde sie im Alter von fünf Jahren zunächst von ihrem Vater auf der Geige unterrichtet, der
Militärmusiker war. Zwar spielte er selbst Kornett, verstand sich jedoch auch auf das Violinspiel. Anschließend erhielt sie – nun in Graz lebend – Geigenunterricht von Anton Geyer, Volksschuldirektor sowie Gründer und Chorleiter des Gesangvereins Birkfeld bei Graz. Im Alter von elf Jahren, also im Jahr 1877, wechselte sie an die Musikschule des Steiermärkischen Musikvereins, wo sie von Ferdinand Casper, Leiter der Violinklasse und Konzertmeister, unterrichtet wurde. Bereits zwei Jahre später hatte sie ihren ersten öffentlichen Solo-Auftritt im Rahmen eines Schülerkonzertes, dem „Zöglingskonzert“ am 23. Februar 1879, im Rahmen dessen sie „Variationen für Violine“ von Beriot spielte. In ihrer
gesamten Zeit an der Musikschule des Steiermärkischen Musikvereins tat sie sich als eine der besten Schülerinnen hervor und gewann den 1874 ins Leben gerufenen Wettbewerb um den „Eller-Preis“, welcher nur selten vergeben wurde. Erwähnenswert ist auch die Schenkung einer wertvollen Violine durch Graf Aichelburg, Mitglied der Vereinsdirektion, was als Anerkennung ihres Talents und Könnens, aber auch als Förderung derselben gesehen werden kann.

Im Jahr 1882 zog sie nach Berlin, wo sie an der Königlichen Hochschule für Musik in Berlin von Joseph Joachim unterrichtet wurde – dies wurde ihr wiederrum durch ein jährliches Stipendium des Landes Steiermark ermöglicht. Ihr während ihrer Ausbildung in Graz andauernde Erfolg setzte sich auch in Berlin fort, wo sie bereits ein Jahr nach Beginn ihrer Ausbildung den Mendelssohn-Preis in Höhe
von 1500 Mark und zwei Jahre später erneut gewann.

Nach Abschluss ihres Studiums spielte sie als erfolgreiche Violinistin in ganz Europa und entwickelte
sich zu einer der bekanntesten Geigerinnen ihrer Zeit. Sie spielte – um nur einige ihrer Erfolge zu nennen – neben anderen musikalischen Größen dieser Zeit mit Marie Wieck, der Schwester von Clara Schumann, Konzerttourneen und trat 1890 im Rahmen eines Festkonzertes zum 75-jährigen Jubiläum des Steiermärkischen Musikvereins als Solistin auf. Kurz darauf, im Jahr 1892, feierte sie mit großem Erfolg ihr Debut in London, wo sie noch weitere Konzerte spielen sollte, außerdem profilierte sie sich als Mitglied von verschiedenen Streichquartetten.

Im Jahr 1901 wurde Gabriele Wietrowetz schließlich, durch den ausdrücklichen Wunsch Joseph Joachims, an die Königliche Hochschule für Musik Berlin berufen, wo sie von nun an als „außerordentliche Lehrerin für Violinspiel“ unterrichtete, daneben jedoch weiterhin Konzerttourneen antrat. Vier Jahre später gründete sie das „Wietrowetz-Quartett“, ein Streichquartett, welches
ausschließlich aus Frauen bestand und relativ hohen Bekanntheitsgrad erlangte.
Da sie aus gesundheitlichen Gründen wiederholt Urlaub nehmen musste, wurde ihre Stelle an der Königlichen Hochschule für Musik in Berlin 1912 gekündigt, jedoch war sie, wenn auch mit geringerer Häufigkeit, weiterhin als Solistin sowie mit ihrem Quartett aktiv und lebte bis zu ihrem Tod am 6. April 1937 in Berlin.
 

Quellen:

Inka Prante, Die Schülerinnen Joseph Joachims. Wissenschaftliche Hausarbeit zur Ersten (Wissenschaftlichen) Staatsprüfung für das Amt des Lehrers, Berlin 1999.

A. Ehrlich, Berühmte Geiger der Vergangenheit und Gegenwart. Eine Sammlung von 88 Biographien und Portraits, Leipzig 1893.

Silke Wenzel, Gabriele Wietrowetz, in: Musik und Gender im Internet, Hamburg 2007 [online verfügbar: mugi.hfmt-hamburg.de/Artikel/Gabriele_Wietrowetz , Datum des Zugriffs: 20.12.2017].

Mona Silli, Chronik des Johann-Joseph-Fux-Konservatoriums. Die musikgeschichtliche Entwicklung der Instrumentalmusikerziehung von 1815 bis zur Gegenwart, Graz 2009.

Ferdinand Bischoff, Chronik des Steiermärkischen Musikvereins. Festschrift zur Feier des fünfundsiebzigjährigen Bestandes des Vereins, Graz 1890.

Anzeige, in: Grazer Volksblatt 14/47 (1881), 27.02.1881, S.7.

Grazer Notizen, in: Grazer Volksblatt 14/51 (1881), 04.03.1881, S.3.

Danksagung, in: Grazer Volksblatt 14/65 (1881), 18.03.1881, S.4.

E.W. Fritzsch:Tagesgeschichte. Musikbriefe aus Berlin, Graz (Schluss), in: Musikalisches Wochenblatt. Organ für Musiker und Musikfreunde 12/21 (1881), 19.05.1881, S.257f.

Anzeige, in: Grazer Volksblatt 15/49 (1882), 01.03.1882, S.8.

Musik und Kunst, in: Grazer Volksblatt 15/52 (1882), 04.03.1882, S.6.

E.W. Fritzsch:Tagesgeschichte. Musikbriefe aus Dresden und Graz (Fortsetzung), in: Musikalisches Wochenblatt. Organ für Musiker und Musikfreunde 13/22 (1882), 25.05.1882, S.260f.
 
Elfriede Brunnader: Stets froher Sang erschallt. "Fröhlich in die Maienzeit" geht es mit dem "Gesangverein Birkfeld" am Samstag, in: Kleine Zeitung, 30.04.2014 [online verfügbar: www.kleinezeitung.at/steiermark/weiz/4149959/Stets-froher-Sang-erschallt, Datum des Zugriffs: 20.12.2017].

II. Fest-Concert veranstaltet vom Steiermärkischen Musikvereine in Graz zur Feier seines 75jährigen Bestandes. Programm, Graz 01.04.1890.