Künstlerin/innen des Monats

Jeden Monat stellt das Zentrum für Genderforschung eine Künstlerin bzw. Künstlerinnen vor.

Künstlerin des Monats September 2020: Maika Knoblich

Foto: Gerhart F. Ludwig

(und Hendrik Quast)

Travestie ist eines der zentralen Ausdrucksmittel in der Zusammenarbeit der Theaterkünstler*innen Maika Knoblich und Hendrik Quast, wie man auch bei ihrem Beitrag zu Paranoia TV sehen wird – der diesjährigen Ausgabe des steirischen herbst, der sich aufgrund der Pandemie als Medienkonzern neu erfindet.

Maika Knoblich und Hendrik Quast begannen ihre Zusammenarbeit während des Studiums am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen. Anschließend war Maika im Masterprogramm von DasArts. Ihr gemeinsames Interesse gilt der Theatralisierung des Alltäglichen, Banalen, Grotesken und Nebensächlichen: Bereichen denen sie sich mit der klassischen queerfeministischen Strategie des drag bzw. der Travestie zuwenden. Diese künstlerische Technik gewinnt ihr subversives Potenzial aus der Übertreibung, der Vergrößerung oder Ausdehnung von Gestik und Mimik, wie auch überraschenden Synkopen und Verdrehungen und einem lustvollen Spiel mit Klischees. Meist als Geschlechterwechsel auf der Bühne verstanden, werden im drag und der Travestie bei genauerer Betrachtung jedoch vielschichtige soziale Kategorien parodiert und ihrer vermeintlichen Natürlichkeit beraubt.

Auf diese Weise begegnen Quast und Knoblich unterschiedlichen Arbeits- und Lebenswelten, meist aus einem ländlichen Umfeld und fern von klassischen Verständnissen von Kultur und Bildung. Dafür erschaffen sie aufwendig kostümierte und frisierte Alter Egos ihrer selbst, die sich in diesen Welten bewegen. In Hundeplatz (2018) haben sie mit Hundebesitzerinnen und ihren (tierischen) Partnern zusammengearbeitet, und Cross Cruising ©, ein partnerschaftliches Kommunikationstraining, entwickelt, das an die unheimlichen Grenzen der Intimität von tierisch-menschlichen (wie auch mensch-menschlichen) Beziehungen geht. In ihrer jüngsten Arbeit Casting Freischütz (2019), deren Charaktere auch im Paranoia TV zu sehen sein werden, beschäftigen sie sich mit Männlichkeitsbildern aus der Jagdkultur und Schützenvereinen und übersetzen deren Sprechweisen, insbesondere das mansplaining, in eine Performance-Anordnung (untermalt und dramaturgisch strukturiert durch Carl Maria von Webers Oper).

https://quastknoblich.de/

Text von Eike Wittrock