Gabriele Wietrowetz

Gabriele Wietrowetz

Die Violinistin Gabriele Wietrowetz wurde schon im Kindesalter durch ein musikalisches Elternhaus geprägt. Geboren am 13. Januar 1866 im damals österreich-ungarischen Laibach, dem heutigen Ljubljana, wurde sie im Alter von fünf Jahren zunächst von ihrem Vater auf der Geige unterrichtet, der
Militärmusiker war. Zwar spielte er selbst Kornett, verstand sich jedoch auch auf das Violinspiel. Anschließend erhielt sie – nun in Graz lebend – Geigenunterricht von Anton Geyer, Volksschuldirektor sowie Gründer und Chorleiter des Gesangvereins Birkfeld bei Graz. Im Alter von elf Jahren, also im Jahr 1877, wechselte sie an die Musikschule des Steiermärkischen Musikvereins, wo sie von Ferdinand Casper, Leiter der Violinklasse und Konzertmeister, unterrichtet wurde. Bereits zwei Jahre später hatte sie ihren ersten öffentlichen Solo-Auftritt im Rahmen eines Schülerkonzertes, dem „Zöglingskonzert“ am 23. Februar 1879, im Rahmen dessen sie „Variationen für Violine“ von Beriot spielte. In ihrer
gesamten Zeit an der Musikschule des Steiermärkischen Musikvereins tat sie sich als eine der besten Schülerinnen hervor und gewann den 1874 ins Leben gerufenen Wettbewerb um den „Eller-Preis“, welcher nur selten vergeben wurde. Erwähnenswert ist auch die Schenkung einer wertvollen Violine durch Graf Aichelburg, Mitglied der Vereinsdirektion, was als Anerkennung ihres Talents und Könnens, aber auch als Förderung derselben gesehen werden kann.

Im Jahr 1882 zog sie nach Berlin, wo sie an der Königlichen Hochschule für Musik in Berlin von Joseph Joachim unterrichtet wurde – dies wurde ihr wiederrum durch ein jährliches Stipendium des Landes Steiermark ermöglicht. Ihr während ihrer Ausbildung in Graz andauernde Erfolg setzte sich auch in Berlin fort, wo sie bereits ein Jahr nach Beginn ihrer Ausbildung den Mendelssohn-Preis in Höhe
von 1500 Mark und zwei Jahre später erneut gewann.

Nach Abschluss ihres Studiums spielte sie als erfolgreiche Violinistin in ganz Europa und entwickelte
sich zu einer der bekanntesten Geigerinnen ihrer Zeit. Sie spielte – um nur einige ihrer Erfolge zu nennen – neben anderen musikalischen Größen dieser Zeit mit Marie Wieck, der Schwester von Clara Schumann, Konzerttourneen und trat 1890 im Rahmen eines Festkonzertes zum 75-jährigen Jubiläum des Steiermärkischen Musikvereins als Solistin auf. Kurz darauf, im Jahr 1892, feierte sie mit großem Erfolg ihr Debut in London, wo sie noch weitere Konzerte spielen sollte, außerdem profilierte sie sich als Mitglied von verschiedenen Streichquartetten.

Im Jahr 1901 wurde Gabriele Wietrowetz schließlich, durch den ausdrücklichen Wunsch Joseph Joachims, an die Königliche Hochschule für Musik Berlin berufen, wo sie von nun an als „außerordentliche Lehrerin für Violinspiel“ unterrichtete, daneben jedoch weiterhin Konzerttourneen antrat. Vier Jahre später gründete sie das „Wietrowetz-Quartett“, ein Streichquartett, welches
ausschließlich aus Frauen bestand und relativ hohen Bekanntheitsgrad erlangte.
Da sie aus gesundheitlichen Gründen wiederholt Urlaub nehmen musste, wurde ihre Stelle an der Königlichen Hochschule für Musik in Berlin 1912 gekündigt, jedoch war sie, wenn auch mit geringerer Häufigkeit, weiterhin als Solistin sowie mit ihrem Quartett aktiv und lebte bis zu ihrem Tod am 6. April 1937 in Berlin.
 

Quellen: