Women and the Murder Ballad; Gender, Aesthetics, Voice and Agency from Franz Schubert to Dolly Parton (PS)
Vortragende*r: Chanda, VanderHart

Inhalt: In diesem Proseminar werden wir gemeinsam das Genre der Mörderballade erforschen, eine literarische und musikalische Tradition, die bis ins Mittelalter zurückreicht. Sie wurde durch mündliche Überlieferung, schriftliche Flugblätter und in jüngerer Zeit durch Streaming-Dienste und Tonaufnahmen überliefert und verbreitet. Im 17. Jahrhundert wurden regelmäßig traditionelle „Broadsheet-Ballads“, in denen ein reales Verbrechen nacherzählt wurde, gedruckt, und am Galgen eines Mörders verteilt, oft noch während der Hängung des Verurteilten. Das gängigste Narrativ berichtet von einer schwangeren Frau und ihrem Liebhaber, der sie ermordet, um eine Heirat zu vermeiden, und ihre Leiche in ein flaches Grab oder in einen Fluss wirft. Solche Balladen haben sowohl eine journalistische als auch eine voyeuristische und therapeutische Funktion und erzählen eine grausame Geschichte, die entweder fiktionaler Natur ist oder mehr auf realen Fakten beruht und im kulturellen Gedächtnis erhalten geblieben ist. Sie waren in Irland, Schottland, England, Deutschland und Nordamerika weit verbreitet und nahmen eine Vielzahl von Variationen, Formen, Stilen und Gestalten an. Sie durchdringen weiterhin die moderne Kultur, nicht nur in der Musik, sondern auch im Musiktheater, im Fernsehen, in der bildenden Kunst, in Graphic Novels, im Film und in der Literatur. Ihre Popularität ist nach wie vor ungebrochen, obwohl sie wegen ihrer offensichtlichen Frauenfeindlichkeit und der Verherrlichung des Femizids in Frage gestellt werden, was wiederum tiefere Fragen über ihre weit verbreitete Anziehungskraft aufwirft. Während des Proseminars werden Student*innen nicht nur mit einer Vielzahl von Murder Ballads und ihren thematisch-ästhetische Traditionen und Aufführungspraktiken vertraut gemacht, sondern auch mit der diesbezüglichen Forschung und Rezeption (Burt, Black, Slade, Wilentz, Atkinson, O'Brien, Hastie, Cohen usw.) bekannt gemacht. Ein breites Spektrum an Repertoire, Musik-, Gesangs- und Instrumentalstilen, von der übernatürlichen SchubertVertonung von Collins' "The Dwarf" und Brahms' "Edward"-Balladen über Rockabilly-, Appalachian-, Blues-, Country- und Bluegrasstraditionen bis hin zu modernen Lesungen von Dolly Parton, Nick Cave, The Decemberists und vielen anderen werden vorgestellt und diskutiert (siehe Repertoireliste). Der Schwerpunkt liegt auf der gemeinsamen Erforschung, wie Frauen innerhalb des Genres dargestellt und positioniert werden - als Opfer, Täter oder dritte Zeugin - und wie diese Perspektiven durch die poetische Stimme, den Musikstil, das Geschlecht und die Herangehensweise der Darstellerinnen gefärbt werden. Präsentiert und diskutiert werden Perspektiven und Diskussionen aus Psychologie und Philosophie, feministischen Studien, Musikwissenschaft und Popkultur, verbunden mit der Erforschung eines breiten, bunten Spektrums an musikalischen und anderen Medienbeispielen - sowohl aus der Literatur als auch aus den Traditionen der bildenden Kunst. Die Studierenden werden eingeladen, sich aus künstlerischer, philosophischer und journalistischer Sicht eingehend mit Themen wie Geschlechter-Ressentiments, des Otherings von Frauen, Gewalt gegen Frauen und deren Inhaftierung bzw. Auslöschung sowie Femizid und häusliche Gewalt zu reflektieren und gebeten zu überlegen, wie Kunst solche Themen verarbeitet, verewigt, erinnert und in Frage stellt.

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