Künstlerin des Monats November 2020: Carola Baukolt

Foto: Regine Körner

Carola Bauckholt gehört zu den bekanntesten zeitgenössischen Komponistinnnen der neuen Musik. Ihr reichhaltiges Werk, das ganz unterschiedliche Gattungen umfasst, wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Künstlerinnenpreis des Landes Nordrhein-Westfalen und dem Deutschen Musikautorenpreis der GEMA in der Kategorie Experimentelle Musik.  

In einem E-Mail-Projekt von Karin Sander beschreibt Bauckholt eine eindrückliche Rezeptionserfahrung, die sie mit 17 Jahren in ihrer Geburtsstadt Krefeld in einer Aufführung von „Repertoire“ aus Mauricio Kagels „Staatstheater“ am Krefelder Theater am Marienplatz (TAM) gemacht hat: völlig fasziniert hatte sie eine Stunde lang den unterschiedlichsten Klang-Aktionen zugeschaut und zugehört, ohne dass ihr „Verstand“ die Eindrücke „sinnvoll abspeichern konnte.“  Nach mehrjähriger Mitarbeit an jenem TAM studierte Bauckholt dann von 1978 bis 1984 an der Musikhochschule Köln bei Kagel, um ihre ganz eigene musikalische Sprache zu entwickeln, in der sie Geräusche und Klänge so seziert, dass ihre Kompositionen akustische Räume schaffen, die die Zuhörenden einladen über (akustische) Wahrnehmung und Verstehen nachzudenken. 

In ihren Stücken für Orchester, Ensembles, Kammermusik oder für Stimme(n) strebt Bauckholt eine Fremdheitserfahrung von Klängen an. Sie arbeitet dabei mit einer Musikalisierung und Instrumentierung von Geräuschen, die nicht selten auf das Funktionieren alltäglicher Gerätschaften oder auf Handlungen in Alltagssituationen zurückgehen. Eine ihrer jüngsten Kompositionen, „Implicit Knowledge“, für die Donaueschinger Musiktage 2020 komponiert und aufgrund der aktuellen Lage kürzlich als Ursendung im SWR2 ausgestrahlt, macht dies eindrücklich deutlich. Bauckholt mischt in diesem Stück instrumental gespielte Klängen des Ensembles Musikfabrik mit Samples aus Alltag und Umwelt, wie Sirenenklängen oder dem Sound eines Kaninchens beim Fressen. Die Samples sind teilweise so nah mikrofiniert, dass sie zuerst unter der Schwelle der Erkentnis bleiben und unser klanglicher Alltag uns so verfremdet entgegentritt. 

In Wintersemester 2020/21 ist Bauckholts Werk Untersuchungsgegenstand eines Seminars von Christa Brüstle an der KUG. 

Weitere Informationen zu Carola Bauckholts Werk, wie auch eine umfangreiche Bibliografie finden sicher auf der Homepage der Künstlerin: www.carolabauckholt.de

 

Text: Eike Wittrock