Diversität

Was ist Diversität?
Der Begriff Diversität (häufig auch Diversity) hat im allgemeinen Sprachgebrauch Einzug gehalten. Während Diversität in der Biologie Artenreichtum bedeutet, steht der Begriff in gesellschaftspolitischen und organisatorischen Kontexten für einen wertschätzenden und respektvollen Umgang mit der Vielfalt (lateinisch diversitas) von Menschen. Menschen unterscheiden und ähneln sich aufgrund verschiedener individueller Persönlichkeitsmerkmale. Zwei Personen können zum Beispiel gleich alt sein und einen ähnlichen Bildungshintergrund haben, aber aus verschiedenen Ländern kommen und sich hinsichtlich ihrer sexuellen Orientierung unterscheiden. Manche dieser Persönlichkeitsmerkmale sind schwer bis gar nicht veränderbar (zum Beispiel Geschlecht/Gender, Alter/Generation, Race/Hautfarbe, Ethnizität), andere hingegen sind veränderbar und ändern sich auch im Laufe eines Lebens (Familienstand, ökonomische Situation, Berufserfahrung, Religion/Weltanschauung etc.). Diese Merkmale sind wesentliche Strukturelemente unsere Gesellschaft. Mit ihnen verbinden sich auch negative Aspekte, zum Beispiel Stereotype, Wertungen, Vorurteile und Ablehnungen. Aus diesem Grund sind sie oft ausgesprochene oder unausgesprochene Gründe für soziale oder berufliche Ein- und Ausschlüsse sowie Benachteiligungen.
Mit dem Diversitätsbegriff werden nun diese Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Menschen positiv betrachtet und wertgeschätzt. Vielfaltsfördernde Maßnahmen haben somit den Abbau von Benachteiligungen sowie Chancengleichheit, Gleichstellung, Partizipation und Inklusion zum Ziel. In diesem Kontext benennt Diversität also die Gesamtheit der Maßnahmen, die dazu führen, dass alle Persönlichkeitsmerkmale als Ressource betrachtet werden und Vielfalt respektiert, anerkannt und wertgeschätzt wird. Die Förderung und Absicherung von Vielfalt, Chancengleichheit und Antidiskriminierung  gehören zu den im Universitätsgesetz festgeschriebenen Grundsätzen und Aufgaben aller österreichischen Universitäten. Umgesetzt wird dies mittels vielfältiger Maßnahmen. Dazu zählen zum Beispiel interkulturelle Trainings, barrierefreie Zugänge, vielfältige Speisepläne in Kantinen (vegan, koscher, vegetarisch etc.), mehrsprachige Informationsmaterialien und spezielle Angebote für Mitarbeiter_innen mit Kindern (stundenweise buchbare, kinderfreundliche Büros oder das Einrichten von Still- und Wickelräumen).
Wichtige Instrumente für die Schaffung von fairen Bedingungen für alle Universitätsangehörigen sind die Frauenförderungs- und Gleichstellungspläne. Für die Umsetzung von Diversität und Antidiskriminierung sind an den Universitäten zudem auch die Vereinbarkeitsbeauftragten, die Behindertenvertrauenspersonen, die Betriebsräte, der Arbeitskreis für Gleichbehandlung, die Österreichischen Hochschüler_innenschaft sowie die Koordinationsstellen für Gleichstellung, Frauenförderung und Geschlechterforschung (an der KUG: Zentrum für Genderforschung) betraut. Auch die KUG bekennt sich entsprechend den rechtlichen Vorgaben zu Antidiskriminierung und einem positiven Verständnis von Vielfalt, zum Beispiel im Entwicklungsplan 2019-2024:

Die Kunstuniversität Graz berücksichtigt individuelle Differenzen, die sich aus dem sozialen Status sowie  Merkmalen  wie  ethnischer  Herkunft,  Alter,  Geschlecht,  sexueller  Orientierung, Weltanschauung oder Religion ergeben. Sie sieht in der Förderung und Absicherung dieser Vielfalt sowie im kontinuierlichen Bemühen um die Gleichstellung von Frauen und Männern eine produktive Quelle für die Weiterentwicklung der Universität in ihren Entscheidungsprozessen und Leistungen und nimmt eine klare Haltung gegen jede Form der Diskriminierung ein.“ (Entwicklungsplan 2019-2024, S.13)

Insbesondere an Universitäten können Vielfaltsaspekte aber auch inhaltlich reflektiert werden. An der KUG wird dies beispielsweise explizit gefördert:

Darüber hinaus gilt es, in Lehre, Kunst und Forschung ein erweitertes Wissen um Diversität und die Zusammenhänge  von  Gender  mit  anderen  Kategorien  wie  Ethnizität,  Klasse,  Alter,  sexuelle Orientierung,  Weltanschauung  oder  Religion  etc.  zu  generieren. Dazu gehört die theoretische Diskussion und praktische Reflexion von Themen wie Identitätsbildung, Integration/Inklusion und Segregation, Inter-und Transkulturalität, Migration und Transmigration oder Globalisierungsdebatten und Postcolonial Studies.“ (Entwicklungsplan 2019-2024, S.115)

In der Forschung werden Vielfaltsaspekte je nach Fach und Forschungsschwerpunkt unterschiedlich thematisiert. Aktuelle musikwissenschaftliche Themen sind zum Beispiel die Auswirkungen des Lebensalters auf die Karriere von Pop-Sängerinnen* (Jennings/Gardner 2016), das Zusammenspiel von sozialer Herkunft und klassischer Musik (Bull 2019) sowie der Zusammenhang zwischen Behinderung und Musik (Straus 2011) oder zwischen (Post-)Kolonialismus und Popmusik (Ismaiel-Wendt 2011).
Im Kontext von Forschung, Lehre und Kunst kann nun sowohl die gleichstellungspolitische als auch die inhaltliche Bedeutungsebene von Diversität berücksichtigt werden. Zum Beispiel können Vielfaltsaspekte in einem Forschungsprojekt nicht nur auf inhaltlicher Ebene berücksichtigt werden, sondern auch bei der Auswahl der Mitarbeiter_innen eine Rolle spielen. Vielfaltsberücksichtigende Lehre kann sowohl ein faires Lernumfeld für alle Studierenden zum Ziel haben, als auch mit der inhaltlichen Berücksichtigung von Vielfaltsaspekten einhergehen. In der Musik wird Vielfalt bereits in den verschiedenen Stilen und Genres repräsentiert, kann aber auch durch die Programmauswahl, die Zielgruppe (= Publikum) sowie durch barrierefreie Aufführungen und die Auswahl der Aufführungsorte bewusst reflektiert werden. Als vielfaltssensible Musikprojekte und -Initiativen gelten neben den künstlerischen Auseinandersetzungen mit den „Außenseiter_innen“ der Musikgeschichte zum Beispiel auch intergenerationelle Orchester, inklusive Musikensembles und Chöre sowie barrierefreie Konzertformate.

Genannte Literatur:

-Bull, A. (2019). Class, Control, and Classical Music. Oxford University Press.
-Ismaiel-Wendt, J. S. (2011). Tracks'n'treks: populäre Musik und postkoloniale Analyse. Unrast.
-Jennings, R., & Gardner, A. (Eds.). (2012). Rock on' : Women, ageing and popular music (Ashgate popular and folk music series).
-Straus, J. N. (2011). Extraordinary measures: Disability in music. Oxford University Press.

Text von Mag.a Anna K. Benedikt, MA PhD


Entwicklungsplan der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz 2016-2021:
„Die Kategorie Gender bildet Schnittmengen mit den Kategorien Ethnizität, Klasse, Alter, sexuelle Orientierung, Weltanschauung oder Religion, wobei diese Überlagerungen in aktuellen Diskursen über Diversität und Intersektionalität thematisiert werden. Während Diversität/Diversity ein Begriff ist, mit dem eher kulturelle oder gesellschaftliche Typisierungen von Personen als Differenzkategorien und Heterogenitäten angesprochen und betont werden, bezieht sich Intersektionalität auf die Frage der vorhandenen Überschneidungen dieser Kategorien sowie auf die Frage der daraus resultierenden Konsequenzen. […] Neben Anti-Diskriminierung ist es das Ziel, eine wertschätzende Haltung gegenüber der Vielfalt der Menschen an der KUG zu fördern. Darüber hinaus gilt es, in Lehre, Kunst und Forschung ein erweitertes Wissen um Diversität und die Zusammenhänge von Gender mit anderen Kategorien wie Ethnizität, Klasse, Alter, sexuelle Orientierung, Weltanschauung oder Religion etc. zu generieren. Dazu gehört die theoretische Diskussion und praktische Reflexion von Themen wie Identitätsbildung, Integration/Inklusion und Segregation, Inter- und Transkulturalität, Migration und Transmigration oder Globalisierungsdebatten und Postcolonial Studies. Die Einbindung solcher Themen in den Ausbildungsbereich von Musik, Theater und Musikologie ist bislang keineswegs selbstverständlich, gehört jedoch zu den Herausforderungen, denen sich die KUG stellen wird, um aktuellen Tendenzen des internationalen bzw. globalen Kunst- und Wissenschaftsbetriebs zu begegnen.“

Entwicklungsplan der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz 2018-2024:
„Chancengleichheit, Gender Mainstreaming sowie Diversität sind und bleiben Qualitätsmerkmale der KUG und stellen sicher, dass die Kreativität und das Potenzial aller optimal in die Lehre – wie auch in EEK und Forschung – einfließen.“

„Die Gleichstellung von Frauen und Männern, die Ermöglichung sozialer Chancengleichheit und die Berücksichtigung der Erfordernisse von behinderten Menschen sind leitende Grundsätze, denen die öffentlichen Universitäten gemäß Universitätsgesetz verpflichtet sind. Diese Grundsätze gelten für alle Bereiche des universitären Lebens – Forschung bzw. Entwicklung und Erschließung der Künste, Lehre und Verwaltung – und für alle Mitglieder der Universität – künstlerisch-wissenschaftliches Personal, allgemeines Universitätspersonal und Studierende. Die Kunstuniversität Graz ist in vielerlei Hinsicht ein Beispiel für konstruktiv gelebte Vielfalt, es gilt darüber hinaus noch zahlreiche Herausforderungen zu meistern.“ - VRin Barbara Boisits in: Gender und Diversity an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz – Bericht 2015.